Schreibwettbewerb

Sun-action

„Huhu huha!“, ich hasse Montagmorgen. Immer und immer wieder verschlafe ich. Außer Atem radle ich mit leicht zitternden Knien die letzten Meter zur Schule, wie immer fast zu spät. Jetzt haben wir gleich eine Mathe-Wiederholung, hoffentlich kommt etwas dazwischen. Wenige Minuten später sitze ich schon wie vorgesehen mit dem Mathe-Test vor mir in der Klasse und habe keinen blassen Schimmer, was dieses Kauderwelsch auf dem Blatt soll.

Erste Stunde Mathe – da bemerkte ich plötzlich beim Blick aus dem Fenster, wie ein kleiner gelber Brocken im Pausenhof zu Boden knallte. Es wurden immer mehr und nun hatten es meine Mitschüler entdeckt und starrten verwundert nach draußen. Im Nu befanden sich alle Schüler draußen auf dem Pausenhof. „Au, aua, au!“ hörte man viele schreien, denn diese gelben Brocken taten sehr weh, wenn sie einem auf den Kopf fielen. Der Pausenhof war schon fast völlig bedeckt und schien nur mehr gelb zu sein. Schließlich flüchteten sich alle unter das Dach im Eingangsbereich. Seltsamerweise wurde es dunkler und uns fiel auf, dass die Sonne nicht mehr strahlte, sie war weg, wie vom Erdboden verschluckt. Das ganze Dorf war mittlerweile mit diesen gelben Klumpen bedeckt und alle Kinder riefen durcheinander, was denn überhaupt los sei. Es herrschte ein Gedränge und Geschiebe und ich machte einen Schritt nach vor, um aus der Menschenmenge heraus zu gelangen. Dabei stolperte ich über ein rundes Metallteil und knallte mit voller Wucht zu Boden. Ich nahm das Teil in die Hand und es bewegte sich und verformte sich. Ein Gesicht kam zum Vorschein und auf dem Bauch stand: Sonnenmagnet (zusammenhalten). Ich war starr vor Schreck, da fing das Ding auch noch an zu labern: „ Komm, komm, gehen wir hinter das Schulgebäude, dort erkläre ich dir alles.“ Ich war einverstanden und wir verschwanden um die Ecke. Zehn Minuten später war mir schon einiges klar. Obwohl ich es kaum glauben konnte sprach ich zu ihm: „Wir beide müssen also ins Weltall katapultiert werden, dort auf einem Stern warten, bis alle Sonnenstücke, die auf die Erde gefallen sind, wieder an dir kleben.“ Der Sonninator, so nannte ich ihn, erwiderte kurz und bündig: „Ja, genauso ist es, lass uns ein Katapult bauen.“ Ich hinterließ meiner Familie eine Nachricht, dass ich eine Weile weg sei. Zum Glück standen die Menschen immer noch draußen auf der Straße und diskutierten über den Vorfall, so dass wir unbemerkt durch die Hintertür entkommen konnten. Nachdem wir zehn Minuten gelaufen waren, erreichten wir den abgelegen Schrottplatz. Wir suchten nach brauchbaren Teilen und hatten es sehr lustig. Wir bildeten ein tolles Team und waren nach sechs Stunden fertig. Keiner von uns wollte es wirklich ausprobieren, doch uns blieb keine Wahl. Mir schien dies doch ziemlich gefährlich zu sein. Als wir beide mit unserer Ausrüstung vor dem Katapult standen, nahm ich all meinen Mut zusammen und ging als Erste. In einem unvorstellbaren Tempo schoss ich nach oben und knallte schließlich mit dem Kopf auf den harten Boden eines Sterns. Ich wurde herumgewirbelt und stürzte wieder nach unten. Zum Glück kam gerade Sonninator angerast fing mich und nahm mich wieder mit nach oben. Doch es war noch nicht vorbei, wir mussten auf einem Stern landen und dort warten, bis alle Sonnenstücke wieder eingesammelt waren. Ich erblickte einen Stern, dem wir uns rasant näherten. „Ahhhh!“, schrie ich in Panik, „das werden wir nicht überleben.“ „Ich weiß“, brüllte Sonninator, „ich habe dich sehr lieb, du bist mein erster und einziger bester Freund.“ Mir kamen fast die Tränen. Ich schloss die Augen und wartete auf den unvermeidlichen Aufprall. Reflexartig schrie ich „Auaa!“, weil mich etwas berührte. Endlich bemerkte ich, dass das nur Sonninators Hand gewesen war und er mich auslachte. Wir waren tatsächlich sicher gelandet und ich konnte stehen und öffnete endlich die Augen. Sonninator erklärte mir, dass er unseren Flug abgebremst hatte, so dass gar nichts passieren konnte. Erleichtert schnaufte ich laut aus, wir hatten es tatsächlich geschafft. Jetzt konnte er alle Sonnenstücke einsammeln, doch das musste er allein erledigen. „Es tut mir leid, aber wir müssen uns jetzt verabschieden.“ Er sprach mit Tränen in den Augen, umarmte mich ganz fest und versprach mir, dass wir uns wiedersehen würden. Ich bedankte mich für dieses außergewöhnliche Abenteuer, sprang schnell hinunter und öffnete meinen Fallschirm.

Als ich wieder auf der Erde ankam, stand die Sonne schon wieder am Himmel. Die Menschen jubelten und in meinem Dorf wurde gleich ein großes Fest gefeiert, mit leckerem Essen und kühlen Getränken. Seitdem findet in Mäder jedes Jahr das Sonnenfest statt, damit die Menschen sich immer daran erinnern, wie wichtig die Sonne für uns ist.

© Rosa Frager, 2b